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Dauerwald

Familienpfad

Wenn ihr durch das Guckfenster schaut, seht ihr den „kleinen Bruder“ des Naturwaldes, den sogenannten Dauerwald.

 

Er stellt eine Phase der natürlichen Waldentwicklung, die sogenannte Plenterphase dar. Man kann sich den Waldaufbau wie eine Großfamilie vorstellen, die sich gegenseitig unterstützt. Die großen Bäume sind dabei die Urgroßeltern. Deren Kinder und Kindeskinder stehen geschützt unter ihren Kronen. Irgendwann sterben sie (werden geerntet) und ihre Kinder, die weiter gewachsen sind, übernehmen ihren Platz und ihre Funktion. Die Kronenreste der Urgroßeltern legen sich solange auf den Waldboden und verrotten langsam. Der Wald bleibt dauerhaft erhalten, weshalb er als Dauerwald bezeichnet wird. Diesen Aufbau könnt ihr im folgenden Bild erkennen.

Die Holznutzung dient der Pflege und Verjüngung des Waldes. Hierbei werden nicht flächig Bäume entnommen wie bei der Kahlschlagswirtschaft, sondern einzeln bzw. gruppenweise wie es bei natürlichen kleinflächigen Störungen wie zum Beispiel Stürmen, Schneebruch oder sonstigen Ereignissen der Fall wäre. Es wird bei der Holzentnahme darauf geachtet, dass der Boden geschont wird, genügend Bäume belassen werden, um den Wald stabil zu halten und die verbleibenden Bäume nicht beschädigt werden.

 

In der Dauerwaldwirtschaft werden natürliche Prozesse genutzt und unterstützt. Jedes Jahr kriegt jeder gesunde Baum ganz viel Nachwuchs (Kinder). Oft befinden sich die Kleinen in der Nähe ihrer Eltern, manchmal werden jedoch die Früchte und Samen der Bäume in andere Gebiete verschleppt. Dies geschieht beispielsweise durch den Eichelhäher und andere Vögel oder mit Hilfe kleiner Lebewesen wie Mäusen, dem Fuchs oder dem Dachs, welche die Kerne der gegessenen Früchte wieder an anderen Orten ausscheiden.

Dadurch entstehen auf natürliche Weise gemischte Wälder und der Wald erhält sich von alleine. Die Baumarten sind somit in der Lage durch den Wald zu wandern, ihre Samen und Früchte können durch den Wind oder die Tiere von einem Ort zum anderen gelangen. Für eine größere Anzahl und Verschiedenheit der Baumarten, werden bei der Dauerwald-Bewirtschaftung zusätzlich Bäume gepflanzt.


Könnt ihr im Bürgergarten fünf verschiedene Baumarten unterscheiden und benennen?
Wenn ihr Lust habt, dann schreibt sie doch auf eure Klemmmappe!

 

Der Waldvogel mit der einzigartigen blauen Feder, versteckt Samen und Früchte von masttragenden Baumarten (Großeltern und Eltern), vor allem von Eichen, im Wald. Er nimmt sie vom Boden des Waldes in den Schnabel auf, sucht nach geeigneten Verstecken und legt sich damit einen Wintervorrat an. Nun spielen wir ein Spiel, bei dem ihr so tut, als wärt ihr der Eichelhäher. Hier wird erklärt wie es geht!

 

Ihr sammelt zunächst ca. 10 Gegenstände im Wald, zum Beispiel schöne Eicheln, Bucheckern, oder kleine Steine. Wenn ihr fertig seid, sucht ihr euch tolle Verstecke im Bürgergarten aus und legt in jedes eines eurer kleinen Schätze. Danach geht ihr wieder zur Bank zurück, wartet eine Minute und versucht schließlich eure Schätze wiederzufinden.

 

Gar nicht so einfach, nicht wahr? Ihr werdet wahrscheinlich nicht alle eure Schätze wiedergefunden haben, es sei denn, ihr habt ein fotografisches Gedächtnis 😉 So geht es auch dem Eichelhäher, er findet nicht alle seiner versteckten Vorräte wieder. Somit bleiben sie in der Erde und es können sich kleine Bäume daraus entwickeln. Um diese natürliche Verjüngung zu gewährleisten, ist es wichtig, dass nicht zu viele Tiere (z.B. Rotwild, Rehe, Damwild…) die kleinen Pflanzen abfressen. Dadurch, dass wir Menschen die natürlichen Feinde des Wildes, also den Wolf, den Bär und den Luchs im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland fast ausgerottet haben, wurde die Anzahl der Bäume und Samen fressenden bzw. verbeißenden Wildtiere immer größer.

 

Zusätzlich hat die wirtschaftliche Nutzung des Waldes durch den Menschen einen bedeutenden Einfluss auf die Wilddichte, da durch die Nutzung der Bäume mehr Licht auf den Boden kommt und somit mehr zur Nahrungsaufnahme geeignete Pflanzen zur Verfügung stehen. Ist plötzlich viel mehr Wild im Wald, werden auch mehr Blätter und Knospen der kleinen Bäume (die Kinder) abgefressen, da sie den Hauptteil der Nahrung der Tiere ausmachen. Diese werden dadurch am Wachsen gehindert und können somit nicht groß werden (sie können keine Fotosynthese mehr betreiben). Dadurch erfolgt auch eine Entmischung der Baumarten, was zur Folge hat, dass seltene Baumarten noch seltener werden oder gar nicht mehr vorhanden sind. Sie sterben ab oder wachsen aus forstwirtschaftlicher Sicht in geringerer Qualität weiter (mit vielen Ästen, krumm).

 

Um zu verhindern, dass zu viele Pflanzen beschädigt werden, müssen also die Tiere bejagt werden. Als Außenstehender kann man gar nicht vermuten wie viele Wildtiere im Wald leben. Jahresrückblicke der Jagdstrecken (geschossene Tiere) lassen vermuten, dass es immer mehr werden. Vor allem Rehe, Damwild, Rotwild und Schwarzwild (Wildschweine) sind in unseren Breiten die Hauptübeltäter. Wenn die Natur gar nicht genutzt werden würde, wäre es noch einmal anders, da sich die Natur normalerweise von alleine regeln kann. Dies ist jedoch nicht der Fall, da das Holz der Bäume für Möbel, für Papier, als Baustoff, zum Heizen und als Rohstoff für viele weitere wichtige Produkte genutzt wird. Es ist für uns unverzichtbar.

 

Deshalb muss man sich in einem Dauerwald (sowie in anderen genutzten Wäldern) um eine eingeregelte Wilddichte kümmern, damit die Bäume in einer -wirtschaftlich gesehen- besseren Qualität wachsen können.
Aufgrund der vielen Vorteile des Dauerwaldes, handelt es sich um einen guten Kompromiss zwischen Nutzung und Schutz von Wäldern. Zukünftig sollte diese Art der Bewirtschaftung mehr in den Fokus gerückt werden, da sie besonders zukunftsfähig und nachhaltig ist. (vgl. Hierdeis, C. 2021: mündlich)

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